Wischen, fahren, automatisch bezahlen

App öffnen, Wischen zum Starten, Einsteigen, Aussteigen, Wischen zum Stoppen: Bus- und Bahnfahren im Landkreis Aschaffenburg war noch nie einfacher, flexibler und günstiger als mit dem neuen VAB-eTarif. Im Januar 2022 ist das elektronische Ticket für das Gebiet der Verkehrsgemeinschaft am Bayerischen Untermain eingeführt worden. Es soll eine digitale Erfolgsgeschichte werden.

Mit der neuen FAIRTIQ-App muss nicht mehr vor Fahrtantritt ein Ticket gekauft, keine Endstation angegeben und kein Zonenplan kapiert werden. Die Mobile-Ticketing-App berechnet automatisch anhand der Ein- und Ausstiegsdaten das günstigste Ticket für die gefahrene Strecke, inklusive Umstiege. Die App erkennt die gefahrene Strecke anhand von GPS-Daten und ermittelt den Preis anhand der errechneten Strecke in Kombination mit dem einprogrammierten Tarifsystem.

Alles, was der Fahrgast noch selbst machen muss: Wischen beim Einsteigen, wischen beim Aussteigen. Vergessen ist einkalkuliert. Die App bietet einen Erinnerungsservice.

Nutzerzahlen steigen

Interessant ist das FAIRTIQ-Ticket vor allem für Gelegenheitsfahrer, für die sich der Kauf einer Wochen-, Monats- oder Jahreskarte nicht lohnt. Das Angebot kommt an. Innerhalb von nicht einmal drei Monaten hat sich die Zahl der FAIRTIQ-Nutzer von 500 auf 800 im März erhöht. Auch Kunden, die bisher nur im Stadtgebiet ein Ticket per Smartphone gekauft hatten, fahren nun mit FAIRTIQ in die beiden Landkreise. „Das ist sehr gut für einen neuen Tarif, der erst einmal bekannt werden muss“, sagt Tino Fleckenstein, Ansprechpartner für Tarif und Vertrieb im ÖPNV bei den Stadtwerken Aschaffenburg.

Denn auch wenn die Welt zunehmend digitaler wird, sind Menschen in punkto Fahrkartenkauf für den öffentlichen Nahverkehr Gewohnheitstiere und besorgen sich ihren Fahrschein entweder am Automaten oder bei den Busfahrer*innen. Das neue e-Ticket soll hier für alle Beteiligten echten Mehrwert bieten. Für die Kunden ist das Bezahlen künftig wesentlich einfacher, die Fahrer*innen können schneller abfahren. „Wenn wir von acht Sekunden pro Fahrscheinverkauf im Bus ausgehen, macht das bei fünf Kunden schon 40 Sekunden, die der Bus später abfährt“, rechnet Tino Fleckenstein vor. „Damit ist die Minute Zeitverlust quasi schon vorprogrammiert.“

Der VAB-eTarif basiert auf Luftlinien-Entfernungen. Der Fahrpreis wird anhand der kürzesten Strecke zwischen Einstiegs- und Umstiegshaltestelle sowie zwischen Umstiegs- und Zielhaltestelle ermittelt und preislich optimiert. Der Grundpreis pro Fahrt beträgt 1,20 Euro, dazu kommen 27 Cent pro Kilometer. Bei einer Fahrt innerhalb von zwei Kilometern zahlen Nutzer*innen beispielsweise maximal 1,74 Euro. Von April an gilt zudem das AufAchse-Ticket an Schultagen ab 9 Uhr. Damit zahlen Erwachsene wie am Wochenende und in den Ferien maximal fünf Euro am Tag, Kinder 3,50 Euro.

Ebenso wird in der Stadt Aschaffenburg stets der optimale Tarif ermittelt. Die Tageskarte für 1 € an Sonntagen, die Kurzstrecke an Werktagen ab 9 Uhr und die kostenlose Fahrt in der Stadt an Samstagen sind ebenso in der Tarifberechnung enthalten.

Die Einführung der FAIRTIQ-App sei „für ein neues digitales Angebot rekordverdächtig schnell“ gegangen, blickt Tino Fleckenstein zurück. „Es ging alles rasch und völlig unkompliziert.“ Keine gravierenden technischen Probleme, keine Anlaufschwierigkeiten und, ganz wichtig: keine Hardware in Bussen und Bahnen erforderlich. Die App funktioniert ausschließlich digital.Wischen, fahren, automatisch zahlen

Im Stadtgebiet können Fahrgäste FAIRTIQ schon seit Juli 2020 nutzen; Aschaffenburg war damals die erste Stadt Bayerns, die die App einführte. 500 Tickets seien seitdem online verkauft worden, sagt Tino Fleckenstein.

Dass der Start der App in Aschaffenburg so reibungslos lief, nimmt nicht wunder. FAIRTIQ ist seit mehr als fünf Jahren auf dem Markt, das Konzept mehrfach preisgekrönt, immer mehr ÖPNV-Anbieter setzen auf das System. Dahinter steht ein Schweizer Mobilitäts-Startup aus Bern, das vor fünf Jahren mit seiner Idee des bargeldlosen und unkomplizierten Fahrkartenkaufs auf den Markt gegangen ist. ÖPNV-Anbieter in der Schweiz, Österreich, Deutschland und Frankreich setzen auf FAIRTIQ.

Nach Unternehmensangaben sind europaweit mittlerweile 50 Millionen Fahrten mit der FAIRTIQ-App gekauft worden. Trotz Pandemie und Homeoffice seien die Nutzerzahlen kontinuierlich gestiegen. „FAIRTIQ ist der einfachste Weg zur täglichen Mobilität für alle“, sagt FAIRTIQ-CEO Gian-Mattia Schucan. Neben Aschaffenburg nutzen Verkehrsbetriebe in Ingelheim, Freiburg und Karlsruhe sowie Nordrhein-Westfalen die Schweizer App. In Berlin läuft eine Pilotphase.

Zwei Jahre, bis Januar 2024, soll die Testphase mit der FAIRTIQ-App dauern. Tino Fleckenstein ist sich sicher, dass der e-Ticket-Verkauf eine Erfolgsgeschichte wird. „Wir gehen davon aus, dass wir künftig e-Tickets im fünfstelligen Bereich pro Monat verkaufen.“

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Wer bloggt hier?

Thomas Pinz

Thomas Pinz ist Projektkoordinator für Digitale Kommunikation und Beteiligung im Amt für IT und Digitalstrategie. Wie kann Digitalisierung für alle funktionieren? Wie können wir zeitgemäß und barrierefrei darüber kommunizieren, was die Stadt für die Menschen leistet und an der Entwicklung teilhaben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Thomas im Daily Business. Und mal wenn nicht das Digitalisierungsrad gedreht wird, dreht er beim Joggen Runden im Schönbusch und am Main und ist mit seinen Kids draußen unterwegs.

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